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Spezialfahrzeug erleichtert den Transport schwergewichtiger Patienten

LANDKREIS BIBERACH – Der DRK-Kreisverband Biberach hat für den Transport schwergewichtiger Patienten ein Spezialfahrzeug angeschafft.   Der Rettungsdienst des DRK-Kreisverbandes hat aufgrund des gesellschaftlichen Wandels immer häufiger ein schwerwiegendes Problem: Die Zahl der stark übergewichtigen Menschen, die aus ihren Wohnungen geholt und ins Krankenhaus transportiert werden müssen, nimmt stetig zu.

Michael Mutschler, Hans-Joachim Seuferlein, Peter Schneider und Andreas Braungardt erkunden die technischen Details des neuen Schwerlastrettungswagens, der ab sofort im gesamten Kreisgebiet eingesetzt wird. Foto: Thomas Warnack

Im neuen Schwerlastrettungswagen (S-RTW), einem Mercedes-Sprinter mit 4,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, können im Gegensatz zu herkömmlichen Rettungsfahrzeugen, in denen Menschen mit einem Gewicht von mehr als rund 140 Kilogramm nicht mehr transportiert werden können, nun auch Personen mit einem Gewicht bis zu 320 Kilo würdig transportiert werden.

„In der Vergangenheit mussten Kranke und Verletzte mit sehr hohem Gewicht unter teils schwierigen Bedingungen, beispielsweise mit einem Klein-LKW der Feuerwehr, transportiert werden“, erklärt Michael Mutschler, Geschäftsführer des Rettungsdienstes. Dies sei nicht nur für die Patienten eine unwürdige Situation, sondern auch eine große körperliche Herausforderung und Belastung für die Rettungskräfte gewesen. Das neue Fahrzeug wird somit eine große Erleichterung für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes sein.

Der neue Schwerlastrettungswagen ist wie ein Rettungswagen mit der kompletten modernen Medizintechnik ausgestattet, verfügt darüber hinaus jedoch über spezielle Einbauten und Gerätschaften, die den erhöhten Ansprüchen von Patienten von einem Körpergewicht von über 140 Kilogramm gerecht werden, erklärt der Leiter der Rettungswache Biberach Andreas Braungardt.

So ist die Krankentrage mit einem elektrohydraulischem Antrieb ausgestattet. Ein spezieller Einzug am Fahrzeug ermöglicht es den Rettungskräften, die Trage ohne Muskelkraft ins Fahrzeug zu schieben. Dies war in der Vergangenheit vor allem dann, wenn das Rettungsfahrzeug am Hang stand, oftmals ein enormer Kraftakt und für die Rücken der Retter eine große Belastung. Weiter ist ein Treppentragestuhl mit Raupenantrieb an Bord. Mithilfe dieses Stuhls können schwere Patienten nun sitzend, ebenfalls ohne großen Kraftaufwand, durchs Treppenhaus transportiert werden. Ein Rollboard zur Umlagerung der Patienten, ein Tragetuch und eine Vakuummatratze in Übergröße ergänzen die Spezialausstattung.

Sowohl für Patienten wie auch für die Rettungsdienstmitarbeiter stehe damit ein modernes Rettungsmittel bereit, das die medizinische Versorgung der Patienten und die Gesundheitsprävention für die Rettungskräfte deutlich steigere, freuen sich der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Peter Schneider und der stellvertretende Geschäftsführer der AOK Ulm-Biberach und Vorsitzender des Bereichsausschusses für den Rettungsdienst im Landkreis Biberach, Hans-Joachim Seuferlein. Nicht ohne Stolz sagt Peter Schneider: „Wir sind sehr froh und dankbar, dass die Kostenträger dies ohne Wenn und Aber unterstützen und wir in einem Landkreis leben, der, trotz seiner ländlichen Struktur, ganz vorne mit dabei ist in der personellen und technischen Qualität des Rettungsdienstes.“ Und Hans-Joachim Seuferlein ergänzt: „Es ist uns wichtig, Rettungsfahrzeuge so auszustatten, dass Patienten angemessen transportiert werden und Rettungskräfte gesundheitsschonend arbeiten können.“

Die Kosten des Fahrzeugs in Höhe von rund 200.000 Euro teilen sich als Kostenträger die gesetzlichen Krankenkassen. Dabei trägt die AOK Ulm-Biberach den größten Anteil bei, da sie mit rund 240.000 Kunden der größte Krankenversicherer in der Region ist.

Der Adipositas-Rettungswagen hat seinen zentral gelegenen Standort an der Rettungswache Biberach und wird künftig immer dann eingesetzt, wenn der Rettungsdienst bei Krankentransporten im Voraus über das Übergewicht des Patienten informiert ist. Bei Notfalleinsätzen wird weiterhin das als erstes verfügbare, nächstgelegene Fahrzeug alarmiert. Der neue Spezialrettungswagen werde dann gegebenenfalls nachgezogen, so Andreas Braungardt.

Das neue Rettungsfahrzeug mit Sonderlackierung wird im gesamten Kreisgebiet eingesetzt und soll bei Bedarf auch benachbarten Rettungsdienstbereichen zur Verfügung stehen. Damit alle Mitarbeiter den Schwerlastrettungswagen fahren können, werden diese in der Führerscheinklasse C1 zusätzlich geschult, so Michael Mutschler. Auch diese Kosten in Höhe von rund 1000 Euro pro Fahrer werden anteilig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Text: Gaby Ruf-Sprenger
Foto: Thomas Warnack

15. April 2016 11:56 Uhr. Alter: 2 Jahre