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„Nur Mut, es ist kinderleicht“ - DRK Biberach demonstriert, wie man einen Menschen nach einem Herz-Kreislaufstillstand wiederbelebt

Milena Hänisch (Schwäbische Zeitung)   Laupheim sz Das Deutsche Rote Kreuz Biberach hat in der Sana-Klinik Laupheim anlässlich der „Woche der Wiederbelebung“ gezeigt, was bei einem Notfall zu tun ist. Mit wenigen Schritten könne man Menschen nach auch als Laie wiederbeleben.

„Die drei Schritte ‚Prüfen, Rufen, Drücken‘, mehr müssen Sie eigentlich nicht behalten“, fasst Peter Dietz, ärztlicher Leiter der Notaufnahme der Sana-Klinik in Biberach zusammen. Mithilfe dieser einfachen drei Schritte kann man Menschen nach einem Herz-Kreislaufstillstand als Laie wiederbeleben. „Sie können nichts verkehrt machen“, bestätigt auch Manfred Rommel, Rettungsassistent und Kreisausbildungsleiter des DRK Biberach. Anlässlich der „Woche der Wiederbelebung“ zeigten die beiden, was zu tun ist, wenn man feststellt „Oh, do isch oiner omg’falla“.

Sie wollen den Menschen vor allem die Angst davor nehmen, etwas falsch zu machen. „Nur Mut, es ist kinderleicht“, heißt es auf der letzten Folie des Vortrags von Peter Dietz.

In seinem unterhaltsamen Vortrag klärte Dietz die Zuhörer über die Funktion des Herzens und den Zusammenhang zwischen Herzstillstand und Hirnschäden auf und benannte Risikofaktoren: „die Klassiker Herzerkrankungen, Rauchen, Zucker, Blutfett, Übergewicht“. Außer einer Reduzierung der Risikofaktoren sei eine echte Vorbeugung kaum möglich. Ein EKG zur Überprüfung sei sinnvoll, sei aber eine Momentaufnahme und biete keinen Schutz für die Zukunft. „Das EKG von heute Mittag ist noch älter als die Zeitung von gestern“, scherzt Dietz.

Im Landkreis Biberach erleiden rund 200 Menschen jedes Jahr einen Herz-Kreislauf-Stillstand und sind dann auf schnelle Hilfe angewiesen. Die Laienhilfe durch Herzdruckmassage und Beatmung ist dann das Wichtigste, bis die Profis eintreffen und den Patienten übernehmen können. „Sie lernen das hier nicht für die Verkehrsunfälle von fremden Menschen“, so Rommel. „Sie lernen das vor allem für Ihren Partner und Ihre Familie.“

Bevor der Herz-Kreislaufstillstand eintritt, gibt es warnende Anzeichen: Angst, Atemnot, Schweißausbrüche, Übelkeit und Brustschmerzen, die auch in den Oberbauch, die Arme und den Nacken ausstrahlen können. „In solchen Fällen wählen Sie die 112“, erklärt Dietz. „Dort erklärt man Ihnen auch am Telefon genau, was Sie tun müssen.“ Verletzungen durch Herzdruckmassagen gebe es, aber die seien irrelevant, denn „wenn Sie nichts tun, stirbt der Mensch“.

Auch Kinder können durch diese Technik wiederbelebt werden. Bei ihnen sind meistens Atemprobleme durch Verschlucken die Ursache. „Deshalb wird hier zunächst beatmet“, erklärt Dietz. „Ansonsten gilt bei Kindern dasselbe, aber mit Augenmaß. Drücken Sie nicht zu fest, sondern vielleicht mit zwei Fingern bei Säuglingen, mit einer Hand bei kleinen Kindern und beatmen Sie nicht zu stark.“

Im Praxisteil wurde an zwei Dummys der Ernstfall geprobt: prüfen, rufen, drücken. Wieder und wieder achten Dietz und Rommel auf das Einhalten der drei Schritte. „Die Reihenfolge ist notfalls egal, aber Sie müssen alle drei gemacht haben.“

Auch das Anlegen der inzwischen recht verbreiteten Defibrillatoren wurde geübt. In Laupheim ist beispielsweise eines dieser Geräte in der Volks- und Raiffeisenbank am Laupheimer Marktplatz zu finden. Rommel nimmt den Übenden die Bedenken: „Sie können kaum etwas falsch machen. Das Gerät gibt Ihnen klare Anweisungen zum Aufkleben der Elektroden und danach auch den Rhythmus für die Herzdruckmassage und die Beatmung.“ Dietz und Rommel geben während der Übungseinheit auch jede Menge praktische Tipps. Sie raten, nicht aus dem Bizeps zu arbeiten, sondern das Körpergewicht beim Drücken zu nutzen.

Wem die Beatmung bei einem fremden, blutenden Menschen zuwider sei, beschränke sich notfalls auf die Herzdruckmassage. Das sei immer noch besser als nichts zu tun. Und wem die Kräfte für die anstrengende Wiederbelebung fehlten, solle Hilfe rufen und sich mit jemandem abwechseln, oder auch einfach nur Anweisungen geben. „Sie wissen jetzt, wie es geht, setzen Sie sich durch“, rät Dietz.

26. September 2016 15:38 Uhr. Alter: 2 Jahre